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Nach einem Dritteljahrhundert ist das Archiv der Bachakademie auf eine beachtliche Größe angewachsen. Nicht, dass wir ein gesteigertes Interesse am Sammeln von Aktenordnern hätten, nein, insbesondere die Daten in digitaler Form sprengen mittlerweile die Terabyte-Grenze. So wollen wir zunächst frohgemut in die Zukunft schauen und nehmen uns ein wenig Zeit, um die Webgalerien, die Pressespiegel, die Audiomitschnitte und Sammlungen von Inhalten zur Musikvermittlung aus den vergangenenn Jahren neu zu sichten und modern zu archivieren. Beginnen wir unseren Rückblick also zunächst mit der jüngeren Vergangenheit: Im Untermenü sind sämtliche Veranstaltungen pro Jahr chronologisch rücklaufend zu finden.

Regelmäßige Gastspiele der Stuttgarter Bach-Botschafter gibt es auch seit Jahrzehnten in der herrlichen Cathédrale in Strasbourg. Bachs Magnificat und Mozarts Requiem in der durch die Bachakademie initiierten Fassung von Robert Levin stehen diesmal auf dem Programm des Eröffnungskonzerts zum 75. Festival de Musique de Strasbourg.
Die langjährige Tradition der Konzerte mit Helmuth Rilling und den Ensembles der Bachakademie im Festspielhaus Baden-Baden findet auch hier ein besonders festliches Finale mit dem Programm des letzten Akademiekonzerts, das durch Wolfgang Rihms neues Werk »Stille Feste« eine besondere persönliche Note erhält.

Regelmäßig gastierten die Ensembles der Bachakademie unter Leitung von Helmuth Rilling in der Düsseldorfer Tonhalle mit ihrer hervorragenden Akustik vor einem begeisterten Publikum. In diesem besonderen Jahr 2013 werden die Klänge von Bachs h-Moll-Messe den Raum mit dem seinem charakteristischen Kuppeldach füllen.

Ein ganz besonderes Konzert zwischen zwei großen Geburtstagen (dem 60. von Wolfgang Rihm und dem 80. von Helmuth Rilling) vereint Werke dreier Komponisten, die Helmuth Rilling – neben Bach – besonders nahe stehen. Wolfgang Rihm hat ein neues Werk geschrieben und dem Bachakademie-Gründer gewidmet: »Ich verehre in Helmuth Rilling einen tiefsinnigen Künstler und Künstlerfreund. Und der Gächinger Kantorei verdanke ich – eben vor allem durch ihn – manch wunderbare Aufführung.«

Das 6. Akademiekonzert ist das letzte mit Helmuth Rilling. Eine Ära geht zu Ende und Wolfgang Rihm, der vieljährige Wegbegleiter und Freund, hat für diesen Anlass ein neues Werk komponiert. In diesem letzten Salon der Saison geht es also um viel: um ein ganzes Künstlerleben, um eine lange Künstlerfreundschaft und um ein neues Werk, das kurz vor der Uraufführung steht.

Mit Bachs h-Moll-Messe reisen die Gächinger für ein Konzert in ihrer »Königsdisziplin« in die Händelstadt Halle. Gemeinsam mit dem Händelfestspielorchester werden sie Bach »Opus summum« in der wunderschönen Marktkirche Unser Lieben Frauen musizieren.

Der französische Pianist David Fray zählt zu den herausragenden Klaviervirtuosen der jüngeren Generation. »Klavierspiel auf höchstem Niveau«, urteilt die britische Tageszeitung The Guardian, und Spiegel online lobt seinen »singenden, tastenden und dennoch erzählerisch auftrumpfenden Klavierstil« und bescheinigt ihm, »den aufregendsten Bach seit Jahrzehnten« zu spielen. Tatsächlich gilt Frays Liebe vor allem den großen deutschen Komponisten: Bach, Mozart, Schubert, Haydn, Brahms und Schumann. Mit einer Bach-CD erlebte der französische Pianist 2006 seinen Durchbruch. So ist es nur konsequent, dass er dem großen Bach an seinem 328. Geburtstag in Stuttgart die Ehre erweist.

»Ich mag nichts wissen von überflüssigen Dingen. Totenmessen gibt es so viele, viel zu viele!!! Es ist sinnlos, noch eine hinzuzufügen …« kaum anders als mit einem gewissen Hang zur Koketterie mag diese Äußerung Verdis erklärbar sein, denn sowohl beim bereits zuvor entstandenen Libera me (als Beitrag zur Messa per Rossini) wie auch bei seiner kompletten Messa da Requiem, 1874 nach dem Tod des italienischen Nationaldichters Alessandro Manzoni in Mailand unter seiner Leitung aufgeführt, ging es dem Komponisten ums Ganze: »Ich arbeite an meiner Messe und wirklich mit großer Lust. Mir scheint, ich bin ein seriöser Mensch geworden und bin nicht mehr der Bajazzo des Publikums, der – mit einer großen Trommel oder großen Pauke – ausruft: Avanti, avanti, tretet näher etc.«

Hoher Besuch im Verdi-Jahr aus Rom: Dr. Markus Engelhardt ist Leiter der musikwissenschaftlichen Abteilung des deutschen Historischen Instituts Rom. Der Musikwissenschaftler hat 1988 im Auftrag der Bachakademie einen Satz der Missa per Rossini ediert und die Übersetzung des ersten Bandes der Schriftenreihe aus dem Italienischen ins Deutsche vorgelegt. Wer könnte kenntnisreicher über die Entstehungsgeschichte des Verdi-Requiems Auskunft geben!

Deutlich anders als die Elisabeth in Wagners Tannhäuser begegnet uns die ungarische Königstochter in Franz Liszts großem Oratorium: der Ungar hat das Leben Elisabeths von Thüringen, die für ihre Barmherzigkeit bereits kurz nach ihrem frühen Tod (1231) heilig gesprochen wurde, in musikalische Tableaus gefasst, die eine milde, gütige und vom Glauben beseelte Elisabeth in den Vordergrund stellen. Dabei verwendete Liszt Elemente traditioneller ungarischer Heiligen-Liturgie und Motive aus thüringer Melodien auf ein Libretto von Otto Roquette, das den sechs Elisabeth-Fresken des Moritz von Schwind auf der Wartburg nachempfunden ist. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hatte der Weimarer und spätere Abbé Liszt an seinem Oratorium gearbeitet, bevor es 1862 in Rom fertig wurde und drei Jahre später in Budapest uraufgeführt werden konnte. Eine kostbare und opulente Konzertsaal-Rarität unter Leitung des Liszt-Preisträgers Martin Haselböck!

Wenn sich einer mit dem oratorischen Schaffen von Franz Liszt auskennt, dann ist es Daniel Ortuño-Stühring. Der Musikwissenschaftler verfasste seine Dissertation über die Christus-Oratorien im 19. Jahrhundert und ist gegenwärtig Mitarbeiter des Forschungsprojektes »Neudeutsche Schule« am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena. Mit Daniel Ortuño-Stühring unterhält sich Dr. Michael Gassmann über seine Leidenschaft für Liszt und über die Heilige Elisabeth.