Eine Chronik der Bachakademie

Wie alles begann

1953/54
Gründung der Gächinger Kantorei. In den Sommerferien 1953 Treffen im Hause der Familie Haberer in Gächingen. Der 20-jährige Stuttgarter Schulmusik-Student Helmuth Rilling spielt an der zweiten Geige gemeinsam mit seinem Schulfreund und den beiden Töchtern der befreundeten Familie Haberer Quartette, mit nicht wirklich zufriedenstellenden Ergebnissen. Auf der Suche nach Alternativen lädt man auf das Jahresende zu einer Singwoche nach Gächingen ein, die mit einem kleinen Konzert mit 20 Mitwirkenden am 3. Januar 1954 in der Kirche St. Georg schließt. Es folgen weitere Singwochen mit Proben im Gächinger Wohnzimmerstübchen, über die Helmuth Rilling jeweils selbst brieflich informiert. Mitte Oktober 1954 führt die erste Singefahrt der Gächinger Kantorei nach Thüringen.

Von der Alb in die Welt

1963: Das Ensemble unter Leitung von Helmuth Rilling

1955-1964
Konzerte mit Distlers ›Choralpassion‹. Die Presse lobt den »wundervoll ausgeglichenen Chorklang« und die »bewundernswerte Qualität« des »so ziemlich im Verborgenen« gediehenen 30-köpfigen Ensembles. Helmuth Rilling wird 1957 Kantor an der Gedächtniskirche Stuttgart, wo er eine erfolgreiche Reihe Geistlicher Abendmusiken etabliert. Programme in Stuttgart und Umgebung mit Werken von Johann Nepomuk David (u.a. Uraufführung der ›Sechs Evangelienmotetten‹), Willy Burkhard, Kurt Hessenberg, Hugo Distler und Ernst Pepping. 1961 erste Schallplattenaufnahmen für Musicaphon. Konzerte in Süddeutschland, in Berlin, Kassel, Basel, Budapest und Köln. 1963 wird Rilling zum Kirchenmusikdirektor in Stuttgart ernannt.

1966: Romantische Chormusik im Mozart-Saal

1965-1969
Gründung des Fördervereins Stuttgarter Musikfreunde e. V. und des Bach-Collegiums Stuttgart. Beginn der Kantatengottesdienste an der Gedächtniskirche. 1965 daselbst erste Aufführung von Bachs Johannes-Passion. Zum Internationalen Heinrich-Schütz-Fest Berlin Uraufführungen neuer Werke von Petr Eben und Milko Kelemen in der Philharmonie. Konzerte der Ensembles in Stuttgart, Lugano, Frankfurt, Schwetzingen, Brünn, Nürnberg, Baden-Baden, Maulbronn, Speyer. 1968 erste USA-Tournee (Konzerte in 21 Städten) mit Bachs Johannes-Passion, Mozarts Requiem und Pendereckis ›Stabat mater‹. 1969 erste Aufführungen von der h-Moll-Messe u.a. auf ČSSR-Tournee und zur Bachwoche Ansbach.

1974: Osaka (Japan)

1970-1980
Helmuth Rilling ist Mitbegründer des Oregon Bach Festival in Eugene und übernimmt fortan die künstlerische Leitung. Beginn der Bach-Kantaten-Produktion. Erstmalige Aufführungen: Matthäus-Passion und Brahms‘ ›Ein deutsches Requiem‹ (1970) Verdis ›Messa da Requiem‹ und erste Gesamtaufführung der Teile I–VI von Bachs Weihnachtsoratorium (1971). 1972 Gründung der »Stuttgarter Konzertvereinigung e. V.«. 1974 erste Japan-Tournee, 1976 erste Israel-Tournee (u.a. Brahms' Requiem mit Dietrich Fischer-Dieskau). 1977 erste Schallplatten-Produktion für CBS (Messe h-Moll). 1978 erstes Gesprächskonzert (in Frankfurt). 1979 erste »Sommerakademie Johann Sebastian Bach« Stuttgart (jährlich, später wechselnd mit Musikfest, bis 1999).


Die Gründung 1981

1981
Gründung der Stiftung Internationale Bachakademie Stuttgart (Geschäftsführer: Andreas Keller, 2000 bis 2008 als Intendant). Sommerakademie 1981: »Bach – Haydn – Mozart«. Zur Eröffnung der Alten Oper Frankfurt Konzertserie mit Gesprächskonzerten zu Bachs Messe h-Moll und Kantaten. Im Januar 3. USA-Tournee (in 11 Städten) mit der Gächinger Kantorei und dem Los Angeles Chamber Orchestra. Tournee Deutschland, Spanien, Österreich (Matthäus-Passion). Konzerte in Berlin, Leverkusen, Frankfurt, Heidelberg, Wien und im Rahmen des 56. Bachfestes der Neuen Bachgesellschaft (IV. Internationales Bachfest der DDR) am 9. Dezember im Großen Saal des Neuen Gewandhauses zu Leipzig. ZDF-Produktionen der ›Liebesliederwalzer‹ op. 52 von Brahms.

Bis zur Jahrtausendwende

1984: Die Gächinger in der Ulrichskirche Halle

1982-1989
Tourneen: Schweiz (1982), Israel (1983/1986), USA (1983), Japan (1985/1988), Italien (1985), Kanada (1987/1989), Granada (1989). Erste Bachakademien: Japan (1983/1984/1987/1988), Buenos Aires (1985, bis 1994 jährlich), Krakau (1986), Prag (1987), Bergen/Norwegen (1988), Moskau (1988), Budapest (1989). 1984 Einweihung des renovierten Hauses der Bachakademie in Stuttgart. DDR-Tournee mit Messe h-Moll. »Stuttgarter Bach-Wochenende« (regelmäßig bis 1998). Abschluss der Gesamtaufnahme der Kirchenkantaten Bachs. 1985: Große Ost-Tournee: Prag, Krakau, Warschau, Leipzig, Dresden, Moskau. 1. Europäisches Musikfest Stuttgart 1988 mit der Uraufführung und ZDF-Produktion der ›Messa per Rossini‹ (mit Band 1 der Schriftenreihe der Bachakademie). 1989 Kooperation Gächinger Kantorei & New York Philharmonic Orchestra (Messe h-Moll und ›Messa per Rossini‹).

1994: Helmuth Rilling bei Arvo Pärt in Berlin

1990-1994
Tourneen: Israel (1990), Gran Canaria (1990), Europa (ab 1990), Japan (1991). Bachakademien in Budapest (1991/1992), Moskau (1991/1992/1994), Krakau (1992/1993), Santiago de Compostela (1992/1994), Riga, Klausenburg (1992), Leipzig, Rio de Janeiro (1993), Venezuela (1993/1994). Am 3. Oktober 1990 Mitwirkung am Staatsakt zur Deutschen Einheit in der Berliner Philharmonie. Zum Musikfest 1991 Uraufführung und CD-Aufnahme der Vervollständigung von Mozarts Requiem durch Robert Levin. Am 30. Dezember 1992 Konzert in der Kathedrale von Santiago de Compostela zur Eröffnung de Heiligen Jahres 1993. 1994 Uraufführung der ›Litany‹ von Arvo Pärt. CD- und Fernsehproduktionen (u.a. Haydns ›Die Jahreszeiten‹ und ›Die Schöpfung‹, Mendelssohns ›Paulus‹, Bachs Matthäus-Passion). Goldene Schallplatte für eine Million verkaufte CDs (Hänssler-Verlag). UNESCO IMC Music Price.

1998: Die Gächinger mit den Wiener Philharmonikern im Musikverein

1995-1999
Europäisches Musikfest Stuttgart 1995 »Krieg, Versöhnung, Frieden – Requiem, Passion, Messe«: Uraufführung der Auftragskomposition ›Requiem der Versöhnung‹ (mit Gächinger Kantorei, Krakauer Kammerchor und Israel Philharmonic Orchestra), im selben Jahr Theodor-Heuss-Preis »Taten der Versöhnung«. Tourneen Israel (1995/1998) und Japan (1995). Bachakademien in Venezuela (jährlich), Buenos Aires (1996) und Santiago de Compostela (1998). 1995 Gründung und erste Arbeitsphase von »Chor und Orchester der Internationalen Bachakademien«. 1996 Uraufführung der Auftragskomposition ›Lazarus‹ (Franz Schubert, Ergänzung durch Edison Denisov). 1998 Uraufführung der Auftragskomposition ›Credo‹ von Krzysztof Penderecki. 1998 Kooperation Gächinger Kantorei mit Wiener Philharmonikern. 1999 erste Stuttgarter Bachwoche.


PASSION 2000

2000
Europäisches Musikfest Stuttgart 2000 »PASSION 2000«: Uraufführungen der vier Auftragskompositionen Deus Passus (Wolfgang Rihm), Johannes-Passion (Sofia Gubaidulina), Markus-Passion (Osvaldo Golijov) und Water-Passion (Tan Dun). Bachakademie Venezuela. Südamerika-Tournee mit h-Moll-Messe. Konzerte in München (Gächinger und Münchner Philharmoniker), Baden-Baden, Wien (Osterklang), Mailand, Reggio Emilia, Ottobeuren, Hannover (Expo), Leipzig (Bachfest 2000), Salzburger Festspiele (Rihm, ›Deus Passus‹), Wien (Gächinger mit Wiener Philharmonikern), Bonn, Düsseldorf, Treviso. Abschluss der Edition Bachakademie (Gesamtaufnahme der Werke Johann Sebastian Bachs). Fernsehproduktionen: Weihnachtskonzert der ARD (aus der Klosterbasilika Zwiefalten), zwölfteilige SWR-Reihe mit Kantaten Bachs zum Kirchenjahr (Gesprächskonzerte).

Neue Wege

2004: Helmuth Rilling mit dem Festivalensemble

2001-2004
2001 Gründung von »Festival Chor und Orchester« (später Festivalensemble Stuttgart) als Klangkörper des Europäischen Musikfestes Stuttgart. Bachakademien in Krasnojarsk und Athen (2001), in Venezuela und Donezk (2004). 2001 »Echo Klassik« und des Cannes Classical Award für die Gesamteinspielung der Werke von Johann Sebastian Bachs (Edition Bachakademie) sowie Grammy für CD Penderecki ›Credo‹. 2002 SWR-Fernsehproduktion von Mendelssohns ›Elias‹ in der Klosterbasilika Zwiefalten. 2003 Uraufführung der Auftragskomposition ›Insula felix‹ von Wolfgang Rihm in Stuttgart. 2003 Israel-Tournee. 2004 Uraufführung von Mendelssohns Jugendwerk ›Der Onkel aus Boston‹ (in der Philharmonie Essen, Fernseh- und CD-Produktion).

2008: Heilige Messe in Rom, Petersdom

2005-2008
2005 Messe h-Moll mit den Festivalensemble Stuttgart, Konzerte auch in Leipzig (erstes Konzert Rillings in der Thomaskirche), Philharmonie in Berlin und Essen. Erstes Toronto Bach Festival 2005. Uraufführung der Neufassung von Mozarts c-Moll-Messe von Robert Levin in New York (in der Carnegie Hall), anschließend Tournee Deutschland, Italien, Polen, Österreich sowie CD-Produktion. Kinofilm ›Klang der Ewigkeit‹ (zur Musik der Neuaufnahme von Bachs Messe h-Moll). Bachakademien Venezuela und Krakau (2006). Israel-Tournee (2006). 2007 Sofia Gubaidulina, Johannes-Passion & Johannes-Ostern in Dresden und Stuttgart (Erstaufführung der deutschen Fassung, mit CD-Produktion). 2008 Messfeier im Petersdom in Rom. Christian Lorenz wird 2008 Intendant der Bachakademie.

2011: Probe zum Konzert in Peking

2009-2012
Bachakademien Venezuela und Katowice (2009). Israel-Tournee (2009) mit 100. gemeinsamen Konzert.  MUSIKFESTUTTGART 2009 »LICHT«:  ›Messiah‹ von Händel und Sven-David Sandström (Auftragskomposition, uraufgeführt zum 40. Oregon Bach Festival) mit dem Festivalensemble Stuttgart, auch Konzerte im Kloster Eberbach und in der Berliner Philharmonie. 2009 erste Südkorea-Tournee und Konzerte Gächinger Kantorei und New York Philharmonic in der Avery Fisher Hall in New York. 2011 Gründung JSB Ensemble (Junges Stuttgarter Bach Ensemble) der Bachwoche Stuttgart. 2011 erste China-Tournee mit Konzerten in Shenzhen, Guangzhou, Beijing und Shanghai. 2012 – »das Jahr der h-Moll-Messen« (Bachwoche mit Italien-Tournee, auf Südamerika-Tournee, in Deutschland und Frankreich). Erste Bachakademie Frutillar (Chile).


Stabwechsel

2013
Gernot Rehrl wird neuer Intendant der Bachakademie Stuttgart. Ende April: Akademiekonzert mit Werken von Brahms, Mendelssohn und der Uraufführung ›Stille Feste‹ von Wolfgang Rihm (Helmuth Rilling zum 80. Geburtstag) mit Folgekonzert in Baden-Baden. 80. Geburtstag von Helmuth Rilling am 29. Mai. Am 24. August Stabübergabe an seinen Nachfolger Hans-Christoph Rademann mit Festrede von Bundespräsident Joachim Gauck im Rahmen des MUSIKFESTUTTGART 2013 »NEUGIER«. Start einer neuen Ära unter der Leitung der neuen Doppelspitze. Stabwechsel, Antrittskonzert, Sommerakademie, Reihe »Sichten auf Bach« und Beginn der neuen Reihe »Sakral Modern« mit breitem positiven Echo beim Publikum und in der Presse. Im Dezember erstes Tanzprojekt »Bach Bewegt!«.

facebook
Feedback