Wir trauern um Helmut Nanz

(20. Juni 1943 – 15. April 2020)

Vorsitzender des Vorstands der Bachakademie

Es gibt ein paar charakteristische Situationen, die sich vor dem inneren Auge einstellen, wenn wir an Helmut Nanz denken. Im Foyer der Liederhalle nahm ihn jeder sofort wahr, den hochgewachsenen, schlanken Mann mit dem Charakterkopf, der nahezu jeden kannte und freundlich begrüßte. Er hatte eine Präsenz, wie sie nur ein Stuttgarter Original – und das war er! – haben konnte. Gerne sprach er von »meiner Stadt«, und das wirkte nicht anmaßend, sondern es passte zu ihm. Helmut Nanz kannte sehr viele Menschen in seiner Geburtsstadt Stuttgart, und noch viel mehr Menschen kannten ihn. Zu den Konzerten in der Liederhalle wurde er von seiner Frau Tini oder seiner Mutter Lydia Drexler-Nanz begleitet, die letztes Jahr ihren hundertsten Geburtstag feierte. Darauf war er stolz. Er war auch stolz auf seine ganze Familie, von der er gerne und freudestrahlend erzählte. Helmut Nanz war ein leidenschaftlicher Familienmensch, der es liebte, sich als dynamischer Großvater besonders intensiv mit seiner großen Enkelschar zu beschäftigen.

Früh übernahm er Verantwortung in der Nanz-Gruppe, und gründete bereits 1989 eine eigene, gemeinnützige Stiftung, zunächst mit dem Ziel der Förderung von Kunst und Umweltpflege und seit 2006 ausschließlich zur Förderung von Kunst und Kunsterziehung. Zusätzlich zu seinen unternehmerischen Tätigkeiten hat er mit großem Engagement als Förderer und tatkräftiger Unterstützer zahlreiche Ehrenämter bei herausragenden Kulturinstitutionen in Baden-Württemberg wahrgenommen.

In diesen Ehrenämtern vereinte er seine Liebe zur Musik (die sich auch in einer exquisiten Sammlung von Musikautographen äußerte) mit seinem Selbstverständnis als Unternehmer. Nach langjährigem Wirken im Kuratorium der Bachakademie und weiteren Aktivitäten im Stuttgarter Kulturleben wurde er 2015 Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Internationale Bachakademie Stuttgart.

»Ich habe einen väterlichen Freund verloren, der immer ein offenes Ohr für mich hatte«, sagt Akademieleiter Hans-Christoph Rademann. »Wenn es um einen Rat oder um Unterstützung für die Bachakademie ging, hat er sich tatkräftig für uns eingesetzt. Es schmerzt sehr, dass Helmut Nanz nicht mehr bei uns ist. Wir alle werden ihn vermissen.«

Als einer der bedeutenden Stifter Stuttgarts wurde Helmut Nanz einmal in einem Interview zu seinem umtriebigen Engagement für Kulturprojekte gefragt: »Sehen Sie sich als Wohltäter?« Darauf antwortete er in seiner schwäbisch-direkten Art: »Nein. Der Begriff Wohltäter hat so etwas Missionarisches. Das bin ich nicht. Ich helfe lediglich in einigen Bereichen aus. Mäzen trifft es wohl eher.« Mit diesem »Lediglich-in-einigen-Bereichen-Aushelfen« hat er dem Stuttgarter Kulturleben wichtige Impulse gegeben und es als »Beweger« (wie er sich selbst sah) immens bereichert. Es bleiben unsere große Dankbarkeit und die Erinnerung an einen großzügigen und hilfsbereiten Freund der Kultur. Sein Vermächtnis ist uns Ansporn und Auftrag für die Zukunft.

Für den Vorstand und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bachakademie:

Prof. Hans-Christoph Rademann und Katrin Zagrosek

Helmut Nanz, Musikfest Stuttgart 2016 (Foto hs)
Helmut Nanz, Musikfest Stuttgart 2016 (Foto: Bachakademie)
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