Akademiegründer – Bach-Botschafter – Dirigent

Helmuth Rilling

* 29. Mai 1933  † 11. Februar 2026

»Musik darf nie bequem sein, nicht museal, nicht beschwichtigend.
Sie muss aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen.«

Dies war das persönliche Leitbild Helmuth Rillings, des Dirigenten, Lehrers und Botschafter Bachs in der ganzen Welt, der die Internationale Bachakademie Stuttgart 1981 gründete und bis 2013 leitete. Als »Urzelle« versammelte Helmuth Rilling 1954 einige Sängerinnen und Sänger zur Gächinger Kantorei, 1965 kam das Bach-Collegium Stuttgart als instrumentaler Partner dazu. Ab dieser Zeit datiert die seine intensive Beschäftigung mit dem Werk Johann Sebastian Bachs. Er hat außerdem zur Wiederentdeckung der romantischen Chormusik beigetragen und durch regelmäßige Kompositionsaufträge die zeitgenössische Musik entscheidend mitgefördert. Mit seinen Ensembles gab Rilling international unzählige Konzerte und war als gefragter Gastdirigent bei führenden Orchestern in aller Welt tätig. Eine besondere Freundschaft bindet ihn an das Israel Philharmonic Orchestra, das er zusammen mit der Gächinger Kantorei in über 100 Konzerten dirigierte. Von 1970 bis 2013 war er künstlerischer Leiter des von ihm mitbegründeten Oregon Bach Festivals — eines der profiliertesten Musikfestivals in den USA.

Helmuth Rilling © Foto Holger Schneider
Fotos: Holger Schneider

1981 gründete er die Internationale Bachakademie Stuttgart. Rillings musikpädagogischer Impetus manifestierte sich international in Workshops und Arbeitsphasen an Universitäten und Hochschulen weltweit sowie in der Zusammenstellung internationaler Jugendensembles. Als erster Dirigent spielte Helmuth Rilling sämtliche Kantaten Johann Sebastian Bachs ein; zum Bach-Jahr 2000 erschien unter seiner künstlerischen Gesamtleitung die Gesamtaufnahme des Bachschen Werkes auf 172 CDs. Mit der Einspielung von Pendereckis ›Credo‹ gewann er den Grammy 2000 für die beste Chor-Darbietung und wurde erneut 2001 für die Einspielung von ›Deus Passus‹ von Wolfgang Rihm nominiert. Auf der Liste seiner umfangreichen Diskographie stehen aus den vergangenen Jahren Werke von Gubaidulina, Brittens ›War Requiem‹, der von Rilling initiierte ›Messiah‹ von Sven-David Sandström, das Verdi-Requiem sowie Honeggers »Jeanne d’Arc au bûcher«.

Für sein vielfältiges Engagement wurde Helmuth Rilling u. a. mit dem Internationalen UNESCO Musikpreis und dem Theodor-Heuss-Preis »Taten der Versöhnung« ausgezeichnet und 2003 zum Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt. 2008 erhielt der Dirigent anlässlich seines 75. Geburtstages die Große Staufermedaille in Gold, die höchste Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg. Im November 2011 wurde Helmuth Rilling mit dem renommierten Herbert-von-Karajan-Musikpreis des Festspielhauses Baden-Baden ausgezeichnet, 2013 erhielt er den ECHO Klassik für sein Lebenswerk.

Helmuth Rillings künstlerisches Vermächtnis umfasst nicht allein die Summe tausender Konzerte und hunderter CD-Aufnahmen. Er prägte Generationen von jungen Musiker:innen auf der ganzen Welt. Für viele von ihnen war es die erste Begegnung mit Bach, mit oftmals initialer Auswirkung auf deren eigene künstlerische Laufbahn. Stuttgart, der Hauptstätte seines Wirkens, blieb Helmuth Rilling zeitlebens treu. Ohne ihn gäbe es die Internationale Bachakademie Stuttgart nicht – sie verdankt ihm unendlich viel. Helmuth Rillings große Liebe zu Bachs Musik und seine nie versiegende Leidenschaft, sie mit anderen Menschen zu teilen, hat in ungezählten Herzen bleibende Spuren hinterlassen.

»Helmuth Rillings Tod ist ein schwerer Verlust für die Musikwelt. Er hat unzähligen Menschen auf der ganzen Welt den Spirit der Bachschen Musik vermittelt. Er war so etwas wie der Vater der weltweiten Bach-Familie. Mir persönlich war er ein echter Lehrmeister und ich konnte von ihm unglaublich viel lernen. Ich verneige mich vor einem großen Menschen und Musiker mit einer überragenden Lebensleistung. Die Internationale Bachakademie Stuttgart wird in seinem Sinne diese – seine – großartige Arbeit fortsetzen.«
Hans-Christoph Rademann, Akademieleiter

Bilder aus einem Leben mit Bach